Wenn der Körper Trauma spricht: Psychosomatische Schmerzen zwischen Struktur und Grenze

Ein gemeinsamer Beitrag von Walther Howe & Renate Trautmann

In der körperbezogenen Arbeit begegnen mir manchmal Menschen, deren Beschwerden mehr sind als muskuläre Verspannung. Manchmal spricht der Körper, ohne dass Worte folgen. Besonders bei chronischen oder immer wiederkehrenden körperlichen Belastungen stellt sich die Frage: Ist es reine körperliche Fehlbelastung – oder Ausdruck von etwas Tieferem?

Zwei Wege im Umgang mit körperlicher Belastung

Solche Fragen führen immer wieder zu einem zentralen Thema: psychosomatische Schmerzen. Also körperliche Beschwerden, hinter denen sich seelische Belastungen oder unverarbeitete Erfahrungen verbergen können. Gemeinsam mit Walther Howe, Heilpraktiker (Psychotherapie) und Traumatherapeut, gehe ich der Verbindung zwischen Körper und Psyche auf den Grund. Wir beleuchten, wie sich innere Spannungen körperlich zeigen – und wie Bewegung dabei helfen kann, Stabilität und neue Orientierung zu finden. Dieser Beitrag ist eine Einladung, den Körper nicht nur funktional, sondern als feinfühliges Resonanzsystem zu verstehen.

Traumaspuren im Körper und psychosomatische Schmerzen verstehen – Mit Therapeut Walther Howe

Walther Howe ist Heilpraktiker für Psychotherapie und spezialisiert auf traumasensible Begleitung. In seiner Praxis arbeitet er mit Menschen, die seelische Belastungen oder traumatische Erfahrungen verarbeiten möchten – behutsam, körperorientiert und mit einem tiefen Verständnis für die Verbindung von Körper und Psyche. Sein Ansatz zielt darauf ab, Sicherheit im Inneren herzustellen und so Heilungsprozesse nachhaltig zu unterstützen.

Was ist ein Trauma und wie kann es sich zeigen?

Ein Trauma entsteht, wenn ein Mensch so belastende oder überwältigende Erfahrungen macht, dass sie nicht angemessen verarbeitet werden können und dadurch Spuren im Körper und im Erleben hinterlassen. Diese unvollständige Verarbeitung dient zunächst als Schutz vor emotionaler oder körperlicher Überflutung, kann aber später dazu führen, dass Menschen den Kontakt zu sich selbst, ihrer Lebendigkeit oder zu anderen verlieren.

Psychologisch unterscheidet man dabei verschiedene Arten von Traumata:

  • Schocktrauma: Dieses entsteht nach einem oder mehreren bedrohlichen oder lebensbedrohlichen Erlebnissen, wie Unfällen, Gewalt oder medizinischen Eingriffen. Die Erfahrung kann so überwältigend sein, dass sie nicht vollständig integriert wird.
  • Entwicklungstrauma: Hier geht es um tiefgreifende Belastungen in frühen Lebensjahren – etwa eine unzureichende emotionale Sicherheit, fehlende Wertschätzung oder fehlender Bindungskontakt in der Kindheit. In solchen Fällen entwickeln Kinder Überlebensstrategien, die das Funktionieren unter widrigen Umständen ermöglichen, gleichzeitig aber den Zugang zu eigenen Gefühlen und zur Lebensenergie einschränken können.

Unabhängig von der Art können traumatische Erfahrungen das Nervensystem überfordern und sich in unterschiedlichsten körperlichen und psychischen Symptomen ausdrücken. Zu den körperlichen Folgen gehören zum Beispiel chronische Verspannungen, Schmerzen, erhöhte Schmerzempfindlichkeit oder Wahrnehmungsstörungen, die medizinisch oft schwer zu erklären sind und sich als psychosomatische Schmerzen äußern können.

Traumata können nicht nur einzelne Personen betreffen. Es gibt auch kollektive Traumata, z. B. durch Kriegsereignisse, und transgenerationale Traumata, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Auch diese Formen wirken auf körperlicher, seelischer und sozialer Ebene nach.

Moderne traumatherapeutische Ansätze bieten heute Möglichkeiten, die unvollständige Verarbeitung zu vervollständigen – und verlorene Lebendigkeit sowie den Zugang zu sich selbst und anderen wiederherzustellen.

Warum körperliche Symptome oft mehr sind als „nur“ Verspannungen

Traumatische Erfahrungen können Spuren im Körper hinterlassen, oft in Form von Beschwerden, die sich medizinisch nicht eindeutig erklären lassen. Das Ergebnis sind häufig psychosomatische Schmerzen. Viele Betroffene suchen ärztliche Hilfe, doch trotz verschiedener Untersuchungen bleiben die Ursachen unklar. Der Körper spricht durch Symptome, doch was er ausdrückt, geht häufig über eine reine muskuläre Fehlbelastung hinaus. Psychosomatische Schmerzen können ein Hinweis darauf sein, dass tiefere seelische Verletzungen hinter den körperlichen Symptomen stehen.

Mögliche körperliche Folgen können sein:

  • Chronische Verspannungen, besonders im Rücken sowie im Nacken- und Schulterbereich
  • Dauerhafte Anspannung oder erhöhte Schmerzempfindlichkeit
  • Herz-Kreislaufprobleme, Schlafstörungen, Erschöpfung, Bluthochdruck
  • Atemprobleme, Schwindel, Verdauungsbeschwerden, diffuse Schmerzen
  • Überempfindlichkeit gegenüber Reizen wie Berührungen, Geräuschen oder Licht
  • Konsum von Psychopharmaka, Alkohol oder Drogen – oft als unbewusster Versuch der Selbstregulation

Doch auch auf seelischer Ebene hinterlassen traumatische Erlebnisse Spuren – beispielsweise durch:

  • Dauerstress, innere Unruhe oder das Gefühl ständiger Bedrohung
  • Ängste, Misstrauen oder sozialer Rückzug
  • Gefühle von Leere, Sinnlosigkeit oder depressive Verstimmungen

Psychosomatische Schmerzen und die damit verbundenen Symptome sind keine Schwäche, sondern Ausdruck kluger Überlebensstrategien des Körpers. Schutzmechanismen, die einst notwendig waren, können jedoch mit der Zeit zu Blockaden werden – sie engen die Lebensfreude ein und behindern die Verbindung zu sich selbst und anderen. Eine traumasensible Begleitung oder therapeutische Unterstützung kann helfen, diese Schutzmuster sanft zu lösen und neue Stabilität zu entwickeln.

Quellen zur Inspiration: Gysi (2025), van der Kolk (2015), Rothschild (2000), NIMH, JAMA (1999), Biol Psychiatry (2006)

Bewegung verstehen – nicht reproduzieren

Während Walther Howe als Traumatherapeut tiefgreifende Prozesse begleitet, beginnt mein Ansatz an einem anderen Punkt. Ich arbeite nicht therapeutisch. Als Dozentin für Spiralstabilisation begleite ich Menschen, die ihre Bewegungsabläufe verbessern wollen – oft nach Fehlbelastung, Bewegungsmangel oder muskulärer Dysbalance. Meine Aufgabe sehe ich darin, funktionelle Struktur zu vermitteln, nicht emotionale und psychische Themen zu bearbeiten.

Meine Klienten kommen mit körperlichen Beschwerden, deren Ursachen vielfältig sein können, zu mir. Eine der vielfältigen Ursachen können psychosomatische Schmerzen sein. Sämtliche Beschwerden sollten individuell betrachtet und, falls erforderlich, zusätzlich zu meiner Arbeit therapeutisch begleitet werden.  

Stabilisierung als Grundlage und Unterstützung für eine eventuelle Traumatherapie

In meiner Arbeit mit Spiralstabilisation setze ich spezielle Techniken ein, die die Stabilität der Wirbelsäule fördern und die körperliche Sicherheit verbessern. Dies kann für Menschen, die sich in traumatherapeutischer Behandlung befinden oder begeben wollen, eine hervorragende Basis sein.

Eine gut ausgerichtete Wirbelsäule unterstützt nicht nur die physische Gesundheit, sondern kann auch das Gefühl von Selbstkontrolle und Sicherheit im Körper stärken. Diese körperliche Stabilisierung kann den therapeutischen Prozess ergänzen, indem sie:

  • Den Körper als sicheren Ort erfahrbar macht
  • Übermäßige Anspannung und Schutzhaltungen vermindert
  • Die Wahrnehmung der eigenen Körpergrenzen verbessert
  • Ressourcen für emotionale Verarbeitung schafft

Meine Arbeit schafft einen Raum, in dem sich traumatisierte Menschen auf ihre Stabilität zurückbesinnen können – ohne therapeutisch in die Verarbeitung traumatischer Inhalte einzugreifen.

Die Grenze ist kein Mangel, sondern Haltung

Ich arbeite nicht an der Wiederholung von Schmerz, nicht an emotionalen Reaktionen, nicht an traumatischen Erinnerungen. Wenn der Körper beginnt, „in Schutz zu gehen“, z. B. durch Erstarrung, Übererregung oder unerklärliche körperliche Reaktionen, beende ich die Übungsarbeit.

Ich kann stabilisieren, nicht auflösen. Ich kann helfen, Haltung zu finden, aber nicht, Geschichte zu verarbeiten. Meine Rolle ist präventiv und kann ein unterstützender Baustein von vielen bei der Arbeit mit psychosomatischen Schmerzen sein. Spiralstabilisation nach Dr. Smíšek bietet konkrete Werkzeuge für:

  • Haltungskorrektur
  • Aktivierung spiraler Muskelketten
  • Entlastung der Wirbelsäule, insbesondere HWS und LWS
  • Verbesserung von Beweglichkeit und Eigenwahrnehmung

Aber: Sie ersetzt keine Therapie.

Der gemeinsame Heilungsraum von Spiralstabilisation und (trauma)therapeutischer Arbeit

Dort, wo Walther Howe therapeutisch arbeitet, beginnt für mich der Raum der Zurückhaltung. Ich respektiere die körperliche Sprache, aber ich interpretiere sie nicht therapeutisch.

Wenn sich belastende oder traumatische Themen über Bewegung ankündigen und psychosomatische Schmerzen im Raum stehen, arbeite ich nicht weiter daran. Stattdessen schaffe ich einen sicheren Rahmen, in dem sich die betroffene Person sortieren kann, oft mit dem Hinweis, sich therapeutisch begleiten zu lassen.

Therapeutische Traumabegleitung und Traumatherapie durch Walther Howe

Wie aus diesem gemeinsamen Beitrag ersichtlich wird, ist Walther Howe erfahrener Traumatherapeut und spezialisiert auf die ganzheitliche Begleitung von Menschen, die belastende Erfahrungen verarbeiten möchten.
Seine Arbeit verbindet fundierte psychotherapeutische Methoden mit körperorientierten Ansätzen und schafft so einen geschützten Raum für Heilung und Stabilisierung.

Wer Unterstützung bei der Verarbeitung von Traumata sucht, findet bei Walther Howe professionelle Hilfe – individuell, zugewandt und wirksam. Wenn Sie das Gefühl haben, dass hinter Ihren körperlichen Beschwerden möglicherweise psychosomatische Schmerzen und damit tiefere Ursachen liegen oder Sie sich in einem geschützten therapeutischen Rahmen mit belastenden Erfahrungen auseinandersetzen möchten, nehmen Sie gern Kontakt zu Walther Howe auf. Er bietet Ihnen ein unverbindliches Erstgespräch, in dem Ihre aktuelle Situation besprochen und mögliche Wege der Begleitung aufgezeigt werden können.

Wenn Körper und Psyche gemeinsam angesprochen werden, kann das die Heilungschancen verbessern.

Fazit & Ausblick: Bewegung kann tragen, wenn sie nicht drängt

„Ich will Bewegung nicht nutzen, um etwas hervorzuholen, sondern um etwas zu stärken.“

Mein Beitrag zur gemeinsamen Arbeit mit dem Körper ist ein strukturierender. Ich halte den Raum für gesunde Bewegung, nicht für das Wiederholen von Schmerz. Ich begleite, aber behandle nicht. Ich vertraue dem Körper, aber überschreite ihn nicht. Als Dozentin für Spiralstabilisation findet meine Arbeit strukturiert und achtsam statt, nicht aber therapeutisch.

Dieser Beitrag bildet den Auftakt einer zweiteiligen Reihe zur Verbindung von körperlicher Stabilität und traumatherapeutischer Begleitung. Herr Howe wird außerdem in einem eigenen Beitrag vertiefen, wie sich traumatische Erfahrungen konkret körperlich äußern können und welche therapeutischen Wege es zur Verarbeitung gibt.

Unser gemeinsames Anliegen: ein ganzheitlicher Blick auf psychosomatische Schmerzen, der Körper, Psyche und Umfeld zusammendenkt, statt sie isoliert zu betrachten. In diesem Zusammenhang schulen wir gerne Einzelpersonen oder bieten Weiterbildungen für Therapeut:innen an, um Stabilisierung und Bewegung gezielt in der Praxis einzusetzen.

📩 Mehr Infos & Anmeldung zu Schulungen finden Sie hier: Intensivkurs & Training: Kiefer & Haltung • Trautmann Bewegungssysteme